Gastrede am „8. Convoy to Remember“

Sehr geehrte Besucherinnen und Besucher,

Geschätztes OK, lieber Adi

Vielen herzlichen Dank für die Einladung zum 8ten Convoy to Remember.

Über die Einladung, hier ein paar Worte und Gedanken einer Grossrätin zum Militär halten zu dürfen, habe ich mich riesig gefreut und danke dem OK bereits jetzt für diese Möglichkeit.

Ich bin hier zu Hause und dies gleich in vielerlei Hinsicht. Beruflich, wenn ich mit dem LKW in dieser Kiesgrube ein- und ausfahre, privat nur wenige Kilometer entfernt in Baden zu Hause und natürlich militärisch.

Ich habe ursprünglich die Rekrutenschule bei den Motorfahrern gemacht und durfte meine Wiederholungskurse bei der Genietruppe in Brugg absolvieren.

Mehr zu Hause kann man ja eigentlich kaum mehr sein. Nun was bedeutet das Militär für mich?

Für mich wird die Armee immer ein sehr grosser Bestandteil meines Lebens sein. Ich habe mich als junge Frau entschieden in die Rekrutenschule zu gehen, dies entgegen aller Empfehlungen meiner Kollegen und ja auch meine Familie war erstaunt über diesen Entscheid.
Viele konnten meinen Entscheid nicht verstehen, aber ich hatte immer die vollste Unterstützung und ich kann Ihnen sagen, ich bereue keinen Tag dieser für mich sehr lehrreichen, spannenden aber auch intensiven Lebensschule.

Mit 22 Jahren habe ich mich für einen Kosovo-Einsatz der Schweizer Armee beworben und habe schlussendlich, total fast 2 Jahre für die SWISSCOY bei der KFOR im Kosovo gedient.

Zuerst als Motorfahrer jeglicher Fahrzeuge. Vom kleinen Personentransporter, über Kranwagen, Tanklastwagen, Kipper bis hin zu Schwerlastaufliegern und Baumaschinentransporten. Sie können sich also vorstellen, dass mein Herz in dieser Umgebung umso mehr aufgeht und ich Ihre Begeisterung verstehen und absolut nachvollziehen kann.

Im Jahre 2012 durfte ich als MA NCC oder ausgesprochen als Military Assistent des National Contingent Commander dienen und war somit direkt dem Schweizer Kommandanten, Oberst Wymann, unterstellt. (er ist übrigens im OK des Convoy to Remember) In diesem Job hatte ich sehr viel internationale Kontakte und durfte auch jegliche Besuche, wie beispielsweise die der nationalrätlichen Sicherheitskommission oder den Besuch des Chefs der Armee planen und begleiten.

Da ich während dieses Einsatzes überraschend in den Grossen Rat gewählt wurde (Amtsbeginn war nach dem Einsatz, ich habe also nichts verpasst) war dies für mich eine besonders spannende Aufgabe. Ich konnte so auch die politische Sicht in der Armee etwas besser kennen lernen.

Während diesem Wochenende in Birmenstorf gedenken wir alten Zeiten und 75 Jahren D-Day. Was ist geblieben und was hat geändert?

Kriege werden in der heutigen Zeit anders, aber nicht weniger schwer geführt. Die Truppen sind mobiler unterwegs, die Pferdestärken haben «etwas» zugenommen und die Ausrüstung wurde der Zeit angepasst und modernisiert. Doch eines ist geblieben und wird auch immer etwas vom wichtigsten in der Armee, ja in der gesamten Gesellschaft sein.

Zusammenhalt!

Die Zeit in der Armee habe ich als intensive und vielleicht auch nicht immer ganz einfache Zeit, in Erinnerung. Doch mit Zusammenhalt und Gesellschaft haben wir alles geschafft. Gerade in intensiven, schwierigen Zeiten ist es enorm wichtig, sich auf den Kameraden und die Kameradin verlassen zu können.

Sie alle sind das beste Beispiel für eine solche Gesellschaft, sie pflegen alte Traditionen, Freundschaften und geben somit auch der jüngeren Generation die Möglichkeit sich vorzustellen, dass wir nicht immer in der Zeit von Smartphones und Computern gelebt haben.

Herzlichen Dank! Machen Sie weiter so.

Auch künftig wird die Zeit sich weiter vorantreiben und die Armee sich wandeln. Aber es wird die Armee immer brauchen. Es gilt diese Werte hochzuhalten und der Armee genügend und geeignete Mittel zur Verfügung zu stellen. Nur so können wir die Sicherheit unseres Landes sicherstellen.

Dass die Schweizer Armee mit Ihrer grossen Heeres-Ausstellung vor Ort ist, zeigt den Stellenwert dieses Anlasses, aber auch den Zusammenhalt zwischen Armee und Freunden alter Traditionen und Militärgeschichte. Auch die Beehrung vom Kommandanten Heer, Divisionär René Wellinger, ist alles andere als selbstverständlich und zeigt Zusammenhalt mit der Gesellschaft.

Ich kandidiere in diesem Jahr für den Nationalrat und setze mich für den Verkehr, das Gewerbe und eben unsere Sicherheit ein. Bei der Sicherheit darf nicht gespart werden und wir müssen stets mit der Zeit gehen.

Die Schweiz braucht eine starke Milizarmee! Das Milizsystem bietet für unseren Kleinstaat klare Vorteile. Zum einen kann die Armee von zivilen Ausbildungen profitieren und bietet auf der anderen Seite wertvolle Erfahrungen für zivile Tätigkeiten. Die Armee bildet jährlich hunderte Führungskräfte und Fachspezialisten aus, welche ihr Know-How auch im zivilen Alltag einsetzen können.

Der Hauptvorteil der Milizarmee liegt aber darin, dass sie nur dann genutzt wird, wenn sie gebraucht wird. So kann im Krisenfall eine maximale Truppenstärke ausgeschöpft werden. Das Milizsystem ist infolge Vernetzung mit der Gesellschaft und Nutzung ziviler Kompetenzen effizienter als andere Konzepte und deshalb zukunftsträchtig.

Ich bin stolz auf unsere Armee und dankbar, dass ich ein Teil davon sein darf!

Nun wünsche ich Ihnen allen weiterhin eine wunderbare Zeit in Birmenstorf, geniessen Sie diese mit Gleichgesinnten und pflegen Sie weiterhin diese geschätzten Traditionen.

Halten wir zusammen und stehen gemeinsam für eine starke und sichere Schweiz und Welt ein.

Alles Gute und nochmals vielen herzlichen Dank für die Einladung und Ihre Aufmerksamkeit.